Was passiert, wenn du eine Adresse eingibst
Du kannst den Weg von der Adresszeile bis zum fertigen Bild in vier Stationen erklären, ohne ein Wort zu benutzen, das du nicht selbst erklären könntest.
Du tippst eine Adresse ein und drückst Enter. Eine halbe Sekunde später steht eine Seite da. Dazwischen passieren vier Dinge, immer dieselben, in immer derselben Reihenfolge. Wer diese vier kennt, versteht später ungefähr die Hälfte aller Fehlermeldungen, ohne sie nachschlagen zu müssen.
Wir gehen sie einzeln durch. Nimm dir für dieses Kapitel die zwölf Minuten wirklich, auch wenn der Anfang leicht wirkt. Alles Weitere im Kurs baut darauf auf.
Station eins: den Namen nachschlagen
Stell dir vor, du willst jemanden anrufen und kennst nur den Namen. Dann
brauchst du zuerst die Nummer. Genauso ist es hier. Der Name bitdojo.de sagt
deinem Rechner noch nicht, wohin er sich wenden soll. Er braucht eine Nummer.
Diese Nummer heißt IP-Adresse und sieht aus wie 76.76.21.21. Jeder Rechner im
Netz hat eine. Der Dienst, der aus dem Namen die Nummer macht, ist das
Telefonbuch des Internets.
Das Nachschlagen dauert wenige Millisekunden, und dein Rechner merkt sich das Ergebnis für eine Weile. Deshalb ist der zweite Aufruf derselben Seite oft spürbar schneller als der erste.
Wenn dieser Schritt fehlschlägt, siehst du im Browser eine Meldung, die von "Server nicht gefunden" oder "DNS_PROBE_FINISHED_NXDOMAIN" spricht. Übersetzt heißt sie: Den Namen kennt das Telefonbuch nicht.
Station zwei: die Verbindung aufbauen
Jetzt kennt dein Rechner die Nummer. Er ruft an. Bevor Daten fließen, einigen sich beide Seiten darauf, dass sie sich hören, und darauf, wie sie sprechen wollen.
Das ist wie ein Telefonat: "Hallo?" - "Hallo, ja, ich höre dich." Erst danach sagt man, was man will. Im Netz heißt dieser kurze Austausch Handschlag.
Bei einer verschlüsselten Verbindung kommt hier noch ein Schritt dazu. Der
Server zeigt einen Ausweis, damit dein Browser prüfen kann, dass er wirklich mit
bitdojo.de spricht und nicht mit jemandem, der sich dazwischengeschoben hat.
Diesen Ausweis nennt man Zertifikat, und wenn er abgelaufen ist, zeigt der
Browser die rote Warnseite.
Station drei: fragen und antworten
Erst jetzt sagt dein Browser, was er eigentlich will. Er stellt eine Anfrage, und die ist erstaunlich kurz. Sinngemäß steht darin: "Gib mir die Startseite, und übrigens spreche ich Deutsch."
Der Server antwortet mit zwei Dingen: einer Zahl und einem Inhalt. Die Zahl sagt, ob es geklappt hat.
Diese Zahl siehst du im Alltag selten, aber du hast sie schon gesehen: Die Seite "404 Not Found" ist genau das.
Der Inhalt, den der Server mitschickt, ist meistens Text. Kein Bild, keine fertige Seite, sondern eine Beschreibung davon, was auf der Seite stehen soll.
Station vier: zeichnen
Der Browser liest die Beschreibung von oben nach unten und baut daraus ein Bild. Dabei stellt er fest, dass er noch mehr braucht: ein Schriftbild hier, ein Foto dort, eine Datei mit den Farben. Für jedes dieser Teile stellt er eine weitere Anfrage.
Deshalb ist eine Seite nie ein Aufruf, sondern fast immer dreißig oder hundert. Und deshalb ist die Zahl der Teile einer der wichtigsten Hebel für die Ladezeit. Eine Seite mit vier Schriftarten lädt langsamer als dieselbe Seite mit einer, egal wie gut der Server ist.
Warum das später zählt
Diese vier Stationen sind nicht Theorie für die Prüfung. Sie sind das Raster, in das du jedes Problem einsortierst, das dir in den nächsten Monaten begegnet.
Die Seite lädt gar nicht? Station eins oder zwei. Die Seite lädt, zeigt aber einen Fehlertext? Station drei, und der Statuscode sagt dir, auf welcher Seite des Problems du suchen musst. Die Seite lädt und sieht kaputt aus? Station vier.
Im nächsten Kapitel schauen wir uns genauer an, wer die beiden Gesprächspartner eigentlich sind und warum diese Aufteilung überhaupt existiert.
Einen Aufruf mit eigenen Augen sehen
Du gehst denselben Weg noch einmal, diesmal mit offenen Werkzeugen.
- Öffne eine beliebige Seite in Chrome oder Firefox.
- Drücke F12. Es öffnet sich ein Fenster mit mehreren Reitern. Wähle den Reiter "Netzwerk" beziehungsweise "Network".
- Lade die Seite mit F5 neu. Jetzt füllt sich eine Liste.
- Sieh dir die erste Zeile an. Notiere den Statuscode.
- Zähle, wie viele Zeilen insgesamt entstanden sind. Das ist die Zahl der Teile, aus denen die Seite besteht.
- Klicke eine Zeile an und suche im rechten Bereich nach "Response Headers". Das sind die Zusatzangaben, die der Server mitschickt.
Wenn du magst, wiederhole es mit einer zweiten Seite und vergleiche die Zahlen. Der Unterschied zwischen zwanzig und zweihundert Teilen ist der Unterschied, den man beim Laden spürt.
Fertig, wenn
- Du kannst den Statuscode der ersten Anfrage nennen.
- Du kannst sagen, aus wie vielen Teilen die Seite besteht.
- Du hast in den Zusatzangaben mindestens eine Zeile gefunden, die du erklären kannst.
Sitzt es?
9 Karten aus dieser Lektion, 4 Aufgaben im Prüfungsvorrat.